Audit "familienfreundlichegemeinde"

Das Audit familienfreundlichegemeinde ist ein kommunalpolitischer Prozess, in dem durch Workshops und andere Aktionen die familienfreundlichen Maßnahmen festgestellt werden

 

Unter Einbindung aller Generationen und Fraktionen entwickelt eine Projektgruppe bedürfnisorientiert neue Maßnahmen zur Erhöhung der Familienfreundlichkeit in der Gemeinde. Das Familienreferat des Landes OÖ unterstützt die Gemeinden bei der Umsetzung von Projekten mit einer Förderung von max. € 10.000,-. Die SPES Familien-Akademie führt die Prozessbegleitung in den Gemeinden durch.

Gemeinde Eberstalzell

Im Folgenden lesen Sie ein Interview mit der Familienbeauftragten Gabi Ziegelbäck aus der Gemeinde Eberstalzell. Die Gemeinde begann im Jahr 2006 mit dem Auditprozess und startet im Jänner 2014 mit der Reauditierung.

 

1. Warum hat die Gemeinde mit dem Audit begonnen? Was war der Gemeinde besonders wichtig?

 

Die Gemeinde Eberstalzell hat sich mit dem Gemeinderatsbeschluss vom 28.6.2006 erstmals für die Durchführung des Audits familien- und kinderfreundliche Gemeinde ausgesprochen.

 

 

Mit dem Workshop zum Thema: „Familie hat Zukunft“ am 21.06.2007 begann die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger und die Ideenfindung. Familien- und Kinderfreundlichkeit ist ein permanenter Prozess. So wie sich die Gesellschaft verändert, verändern sich auch die Bedürfnisse. Ausschussobmann Peter Baumgarten war es besonders wichtig, im Bereich der Familienfreundlichkeit der Gemeinde und im Umgang der verschiedenen Generationen miteinander, keinen Stillstand zu haben und sich weiterzuentwickeln.

Eberstalzell

 

Für uns als Gemeinde war es sehr wichtig, dass wir durch die SPES Familienakademie wirklich eine professionelle Unterstützung bekamen. Eine professionelle Prozessbegleitung ist auf jeden Fall zu empfehlen.

 

 

3.) Welche Projekte sind im Rahmen des Audits von der Gemeinde Eberstalzell umgesetzt worden?

 

Das Spielplatzkonzept

Es gibt in Eberstalzell nicht einen großen Spielplatz sondern in verschiedenen Siedlungsbereichen jeweils einen naturnahen, kleineren Spielplatz. Das besondere an den Spielplätzen ist, dass die Siedler bei der Planung stark eingebunden sind und bei der Umsetzung durch ihre Arbeitsleistung den Spielplatz in Eigenregie errichten.

 

Der ELKI-Pass

ELKI steht für Eltern-Kind-Begleitung und ist ein Projekt, das Eltern bei der Erziehung der Kinder von 0-6 begleiten und eine Hilfestellung sein soll. Der Zeitraum 0-6 wurde deshalb gewählt, da es ein entscheidender Zeitraum für die gesunde körperliche und geistige Entwicklung des Kindes ist. Von der Gemeinde werden Vorträge zu den Themen Ernährung, Erziehung, Bewegung und Sprache organisiert.

 

Beide Projekte haben sich bestens bewährt.

Ganz besonders positiv haben wir in Erinnerung, dass sich in den Siedlungen durch das Spielplatzkonzept ein sehr gutes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt hat. Bei der gemeinsamen Arbeit am Spielplatz lernten sich die Siedler näher und persönlich kennen und in der Folge haben sie mehr Verständnis füreinander.

 

Auch der Elki-Pass hat viele positive Erfahrungen gebracht. Die Eltern nehmen die Vorträge und Angebote sehr gut an und derzeit können wir in Eberstalzell eine Gordon-Erziehungsreihe anbieten, weil die Nachfrage so groß ist. Für die Eltern ist es wirklich ein Vorteil, diese Hilfestellungen und Informationen vor Ort zu bekommen.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist der persönliche Kontakt mit den jungen Eltern, wenn der Elki-Pass beim Besuch des Bürgermeisters und der Familienbeauftragten nach der Geburt ihres Kindes nach Hause gebracht wird. Durch die erste Kontaktaufnahme mit den jungen Familien ist die Hemmschwelle deutlich geringer, sich in der Gemeinde zu integrieren und Elterninfos anzunehmen.

 

4. Würden Sie das Audit anderen Gemeinde empfehlen?

Das Audit für familien- und kinderfreundliche Gemeinde ist auf jeden Fall weiterzuempfehlen. Es bringt viele Vorteile für die Gemeinde (siehe oben) und auch für die Bürger. Aus diesen Gründen hat sich die Gemeinde Eberstalzell für die Reauditierung entschieden. Für die Reauditierung mit dem UNICEF-Zertifikat hat der Gemeinderat in der Sitzung am 7. August 2013 den Beschluss gefasst.

Der Prozess dazu startet im Jänner 2014.

 

 

Gemeinde Kaltenberg

 

 

Die Gemeinde Kaltenberg ist eine von den 10 Mühlviertler-Alm Gemeinden im Bezirk Freistadt, die Gemeinde startete 2009 mit dem Auditprozess und erlangte 2013 das Endzertifikat. Herr Vizebürgermeister Alois Reithmayr hätte nicht geglaubt, dass so viele Maßnahmen bis zum Endzertifikat 2013 umgesetzt werden.

 

 

 

 

 

Im Anschluss ein Interview mit Herrn Vizebürgermeister Reithmayr über den Auditprozess in der Gemeinde Kaltenberg:

 

Spielgruppe_Kaltenberg

 

Wie haben Sie den Auditprozess empfunden?

Was haben Sie besonders positiv in Erinnerung?

 

Besonders gefallen hat uns, dass die Bevölkerung so gut eingebunden wird. Es war schon öfter der Wunsch nach einer Spielegruppe wahrgenommen worden, jedoch wurde es nie ernsthaft angegangen. Dadurch dass jede(r) zum Ideeneinbringen eingeladen wurde bündelten sich manche Interessen schon sehr bald zusammen. Besonders gefreut hat mich dass die frischgebackenen Eltern selbst Hand anlegten und so einen wunderschönen Treffpunkt für Eltern und Kinder geschaffen haben. Es war frei nach dem Motto „ Wer was verbessern will, darf auch mithelfen“ .

 

Aber nicht nur die jungen Familien hatten Wünsche sondern auch die ältere Generation. Durch die Schließung des letzten Lebensmittelhändler im Ort, wurde das Thema Nahversorgung plötzlich aktuell. Auch da fand sich bald eine Arbeitsgruppe die sich mit dem Thema auseinandersetze. Durch das besichtigen ähnlicher Projekte entstand in Kaltenberg bald „ Unser G´schäft“. Dieses besteht nun seit 3 Jahren wurde finanziert mit Beteiligungen der breiten Bevölkerung und den sehr aktiven Vereinen in der Gemeinde. Es entstand ein Lebensmittelpunkt der nicht mehr zum wegdenken ist.

 

Würden Sie das Audit anderen Gemeinde weiterempfehlen?

Das Audit kann man nur jeder Gemeinde empfehlen weil es die echten Wünsche der gesamten Bevölkerung anspricht. Egal welcher Partei oder Generation.

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