Es wird scho glei‘ dumpa...

Von Krippe und Christbaum

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Es ist kein Zufall, dass die Geburt des göttlichen Kindes in die Zeit der Wintersonnwende fällt und sich mit der jetzt wieder zunehmenden Kraft der Sonne verbindet. Erst recht faszinierte die Menschen in einer Zeit, in der Könige und Kirchenfürsten das Sagen hatten, die Geburt des Göttlichen in einem einfachen Stall. So entstanden schon um das Jahr 1000 erste Volksspiele, die das Geschehen im Stall von Bethlehem darstellten. Messen wurden damals in lateinischer Sprache - die für die einfachen Leute unverständlich waren - gehalten. Deshalb erfreuten sich Volksspiele in Mundart großer Beliebtheit. Dazu kam, dass das biblische Geschehen durch die Jahrhunderte mehr und mehr »eingemeindet« wurde.

 

Die Geburt Jesu Christi fand plötzlich im alpenländischen Umfeld statt. Besonders bei den Landschaftskrippen im Salzkammergut stellt nicht nur das Hintergrundbild, die »Halt«, den Bezug zur heimischen Landschaft her. Oft sind da auch Häuser und landschaftliche Besonderheiten aus der wohlbekannten Umgebung zu sehen. Mit den Krippen blühte eine Reiche Tradition an Krippenspielen und Krippenliedern auf – von »Wer klopfet an« und »Es wird scho glei dumpa« bis zu »Oh, Wunder über Wunder«.

 

Vom Goldenen Heißl

Ursprünglich kam aber in der Heiligen Nacht nicht das Christkind, sondern das Goldene Heißl, also ein goldenes Pferd. Es flog am Morgen mit seinem goldenen Wagen über den Dachfirst und brachte den Kindern Geschenke.

 

Das Christkind kam später - mit dem Christbaum. Und der wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts ausgehend von den Städten populär. Allerdings gab es seit Jahrhunderten den »Baumsegen«. Da wurden grüne Tannenäste in das Haus geholt, um die neu erwachende Lebenskraft in der Natur zu vergegenwärtigen. Dieser Brauch verschmolz mit dem Christbaum. Und so taucht ein uraltes archetypisches Bild wieder auf: Der Weltenbaum, der Erde und Himmel verbindet, und mit seinem Stern an der Spitze vom himmlischen Paradies ins Irdische leuchtet.

 

Es begann mit dem Paradiesbaum

Schon bei den Römern hatte man in Mithras- Kult zur Wintersonnwende einen Baum geschmückt, um damit den Sonnengott zu ehren. Das frühe Christentum übernahm den Tannenbaum als »Paradiesbaum«. Darunter wurde z. B. in Windischgarsten am 24. Dezember ein Mysterienspiel von Adam und Eva und der Vertreibung aus dem Paradies dargestellt. Vom »Paradiesbaum«
zum »Christbaum« war es dann ein kleiner Sprung.

Was für ein schönes Bild: Die Geburt des göttlichen Kindes in der Krippe. Darüber breitet der Weltenbaum seine Äste aus.


BRAUCHBARE TIPPS:

Selber ein Kripperl bauen

Natürlich ist der Bau eines eigenen Kripperls ein faszinierendes Vorhaben. Das beginnt bei der Überlegung, wie denn die Krippe ausschauen soll. Sehr einfach lässt sich eine Papierkrippe basteln. Dabei können die Kinder mithelfen und die Krippenfiguren ausdem Kartonbogen schneiden.

 

Wenn es eine alpenländische Krippe werden soll, dann führt der Weg bald einmal in den Wald, um Moos, Steine, alte Wurzeln und Rindenstücke für die Krippe zu sammeln. Auch das ist ein Erlebnis für die ganze Familie. Die Figuren gibt es zu kaufen. Mit etwas handwerklichem Geschick kann man sie auch selber »schnegern« - so sagt man im Salzkammergut zum Schnitzen von Krippenfiguren.


Rat und Hilfe bieten z. B. die Krippenfreunde Geboltskirchen, die Mühlviertler Krippenfreunde und die Krippenbauschule St. Florian an.


Auf Kripperlroas durch das Land

In ganz Oberösterreich gibt es eine faszinierende Vielfalt von Krippen zu entdecken – in Kirchen aber auch in privaten Haushalten:

Das beginnt bei mechanischen Krippen, wie z. B. dem »Steyrer Kripperl« im Innerberger Stadel, der Krippe von Johann Georg Schwanthaler im Linzer Schlossmuseum oder der »Kalß-Krippe« in Bad Ischl. Beeindruckend sind auch die »Nagelschmied« - Krippen im Raum Steyr und Ennstal. Oft sind ihre Figuren »Loahmmandeln«. Das heißt, sie wurden aus Lehm geformt, gebrannt und bemalt. Einen besonderen Zauber haben die »Loahmmandl«-Krippen in der Viechtau zwischen Traunkirchen und Gmunden. Einige davon sind auch im Linzer Schlossmuseum zu sehen.

 

Prächtige Innviertler Krippen sind z. B. im Bezirksmuseum Herzogsburg in Braunau und in der Allerseelenkapelle von Neukirchen an der Enknach zu bewundern. Mühlviertler Krippen werden zur Weihnachtszeit in Freistadt und im Schloss Weinberg ausgestellt.

 

Im Salzkammergut öffnen sogar private Haushalte ihre Stuben für das »Krippöschaun«. Stolz zeigen sie, welche Schätze an Krippen sie beherbergen. In ihnen sind einzigartige Gestalten zu sehen. Diese Gestalten tauchen auch in Krippenliedern auf: Die „Muatta, lass mi a mitgehn“, die „Bschoadbinkerl Res“ oder der „Urberl mit der Leinwand“. Oft nimmt die typische Landschaftskrippe im Salzkammergut den halben, wenn nicht gar den ganzen Raum ein.

 

Die »Mutter-Krippe« des Salzkammergutes steht in der Pfarrkirche von Altmünster. Johann Georg Schwanthaler, der Urenkel des großen Meisters Georg Schwanthaler, baute sie um 1770. Sie war vielen »Schnegerern«, also Krippenschnitzern, Inspiration und Anregung.


Das Aufstellen und der Besuch der Landschaftskrippen im Salzkammergut wurde übrigens im Jahr 2015 in die Liste der immateriellen Kulturgüter der UNESCO aufgenommen.
Zu besichtigen sind die Krippenaustellungen in Museen und auf »Kripperlroas« zu privaten Haushalten zwischen Weihnachten und Lichtmess am 2. Februar.


Es wird scho glei dumpa...

Eins der schönsten Krippenlieder ist »Es wird scho glei dumpa«. Der Geistliche Anton Reidinger aus Krenglbach veröffentlichte es 1884 als »Krippllied«. Den Text hatte er wohl schon 1865
geschrieben, als er das Ischler Krippenspiel organisierte.


Zu allen Bräuchen im Jahreskreis

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