Zum Erntedank

Ein Hoch auf den Kreislauf des Lebens!

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Das Laub verfärbt sich mehr und mehr. Die Blätter fallen. Jetzt ist der Herbst ins Land gezogen. Sein Name stammt aus dem althochdeutschen »Herbist«. Wie der englische Name »harvest«
bedeutet er »Ernte«. Nach der Ernte ist der Herbst auch die Zeit der Kirtage und Volksfeste. Wer es nicht geschafft hat, die weihnachtliche Störi perfekt anzuschneiden – siehe Weihnachtsbräuche - muss jetzt dafür einen »Kirta«, also eine kleine Aufmerksamkeit kaufen, und als Buße für die Störi mitbringen.

 

Viele »Hörndlbauern«, also viehhaltende Bauern, in den Bergen feiern ihr großes Danke für ein gutes Jahr mit dem Almabtrieb. Die »Körndlbauern«, also die Getreidebauern, und mit ihnen viele »Hörndlbauern« im Alpenvorland feiern das »Erntedankfest« traditionell meist am ersten Sonntag im Oktober. Da wird mit Umzügen und einem Festgottesdienst für all das, was da eingebracht wurde, gedankt. Eine Erntedank-Krone, mitunter auch ein Erntedank-Teppich, aus Getreideähren, Feldfrüchten und Obst, verkörpert symbolisch den Erntesegen.

 

Im oberen Mühlviertel und im Böhmerwald wurden zu diesem hohen Festtag genau neunerlei Speisen aufgetragen. In ärmeren Gegenden war der uralte Brauch neunerlei »Gfüllat« - das ist Wildgemüse - zu kochen. Dieses »Gfüllat« wurde unterschiedlich zubereitet und angerichtet. Am »Kirtag« jedoch waren es insbesondere die Blätter des Odermennig, der wilde Majoran, Bibernelle und Bärentatzen (Bärenklau) und andere Kräuter, die grad wachsen, die im Strudel, mit Nudeln oder Erdäpfelteig-Knödeln serviert wurden, mit Rahm, Topfen und Grammeln.

 

Unverkennbar knüpft das Erntedankfest an vorchristliche Traditionen an. Vor allem die jeweils letzten Früchte am Feld, im Garten oder am Baum galten als besonders heilig. So wurde z. B. die letzte Getreidegarbe als Sitz des Fruchtbarkeitsgeistes betrachtet. Deshalb ließ man sie bewusst draußen am Feld stehen.


Zu den letzten drei Äpfel am Baum

In anderen Gegenden brachte man sie in einem feierlichen Umzug ein. Aus ihren Körnern wurde ein Segensbrot gebacken. Das bekamen nicht nur alle Hausleute, sondern auch die Tiere im Stall, um den Geist der Fruchtbarkeit im wahrsten Sinne des Wortes zu verinnerlichen. Und was die letzten Äpfel am Baum betrifft, gibt es den alten Spruch:

 

»Und auf den
heil’gen Erntetag
muss jeder Apfel in den
Sack, bis auf die letzten
drei.
Die lassen wir baß hangen.
Die soll Frau Percht sich
langen, fährt sie im
Sturm vorbei.«

 

Die drei goldenen Samstage

Noch aber wartet der Oktober mit klarem Licht auf und mit seinen goldenen Samstagen. Das sind Tage, die von der tiefstehenden Sonne vergoldet werden. Und genau an diesen »goldenen Samstagen« wird in Adlwang und seinem heiligen Bründl ein Kirtag gefeiert. Der Kirtag geht zurück auf einen Knecht, der zu Ehren der Gottesmutter Maria den Feiertag ehrte und nicht arbeitete. Dafür wurde er von Maria mit einem Goldstück belohnt. Jetzt ist die Zeit, in der die Sommer-Fäden wie weiße Haare durch die Luft schweben. »Altweiber-Sommer« sagen deshalb die einen, von »Engelshaar« reden die anderen.


BRAUCH-BARE TIPPS:

Ein ganz persönlicher Erntedank!

Warum nicht einmal ein Festessen zum Dank für ein gutes Jahr in der Familie oder unter Freunden gestalten?


Auf den Tisch kommt, was in diesem Jahr besonders gut gediehen ist und besonders gut schmeckt. Der kulinarischen Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt – ob saftiger Schweinsbraten oder vegetarischer Apfelstrudel, frischer Süßmost oder das Bier der regionalen Brauerei. In den letzten Jahren ist Oberösterreich auch – wieder – zum Weinland geworden. Ein Festessen, bei dem all das gewürdigt wird, was »Leib und Seel‘« zusammenhält, kann – von der Vorbereitung des Ganzen bis zur Nachspeise – für Familie und Freunde ein großartiges Erlebnis sein.


Mehr als »nur« Apfelstrudel!

Das »Land ob der Enns« ist für seine reiche Apfelkultur bekannt – von Apfelsaft und Most bis zum Bratapfel. In Mythen und Sagen gilt der Apfel als die Frucht der Erkenntnis. »An apple a day, keeps the doctor away« (Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern!) – sagt ein englisches Sprichwort. So groß ist der Wert eines Apfels für die Gesundheit. Es gibt eine Fülle von Apfelgerichten – vom einfachen Apfelmus bis zum aufwändigen Apfelstrudel.


Grießschmarrn mit Apfelkompott

Grießschmarrn:

  • 350 g groben Grieß
  • 120 g Butter
  • 3 EL Rohr- oder Kristallzucker
  • ¾ l Milch
  • 1 Prise Salz

 

Die Butter in einer Pfanne schmelzen.

Den Grieß mit dem Zucker und dem Salz in der Butter anrösten und mit der Milch ablöschen.

Die Masse dick einkochen und umrühren bis sie sich von der Pfanne löst.

Das alles in eine gebutterte Auflaufform geben, mit einem Küchenfreund in grobe Stücke teilen und bei rund 180°C im Backrohr ungefähr 40 Minuten backen.

Am Teller mit Staubzucker bestreuen und zusammen mit Kompott, Apfelmus oder Hollerröster servieren.

 


Apfelkompott:

  • 1 kg Äpfel
  • 50 g Zucker
  • 1 Zimtrinde
  • 1 Sternanis
  • 4 ganze Nelken
  • 2 cm Stück Vanilleschote
  • ¼ l Wasser
  • die abgeriebene Schale und der Saft von einer ½ Zitrone


Die Äpfel vierteln, das Kerngehäuse entfernen und in Stücke schneiden.

In einem Topf ¼ l Wasser, die kleingeschnittenen Äpfel, Gewürze und die Schale sowie den Saft von einer ½ Zitrone ungefähr 10 bis 15 Minuten dünsten, bis die Äpfel weich sind, aber nicht zerfallen!

Die Apfelstücke nun in eine Schüssel heben und mit dem abgekühlten Saft übergießen.


Aus dem Buch »Das Geschenk der zwölf Monate -Märchen, Bräuche und Rezepte im Jahreskreis«


Hollerröster

  • Rund 1 kg Holunderbeeren
  • ¼ kg Zucker
  • 1 Messerspitze Zimtpulver
  • 1 Messerspitze Nelkenpulver
  • den Zitronenabrieb von einer 1/2 Bio-Zitrone
  • ½ l Wasser
  • 1/2 Päckchen Vanillepudding


Den Holunder von den Stielen abrebeln und gut waschen.

Mit dem Wasser, Zucker, Zitronenabrieb und den Gewürzen zum Kochen bringen.

Rund 15 Minuten köcheln lassen.

Das Puddingpulver mit 3 Esslöffeln Wasser glatt anrühren, in den heißen Holler einrühren und solange einkochen, bis der Röster cremig ist.

Man kann auch noch Birnen, mehlige Äpfel oder Zwetschken mitkochen. Säuerliche Zwetschken passen besonders gut zur süßen Fülle des Holunders.


Der Hollerröster schmeckt für sich alleine z. B. als Nachspeise wunderbar. Er passt aber auch gut zu Topfenknödeln, Grießschmarren oder Vanilleeis.


Vor dieser Staude zieht man den Hut!

Der Holunder, oder auch »Holler« genannt, hat so viele segensreiche Wirkungen, dass man vor dieser Staude aus Respekt den Hut zieht. Seine schwarzen Beeren sind im Herbst besonders nahrhaft. Allerdings sind sie roh schwach giftig – und müssen deshalb gekocht werden. Dadurch wird das Gift vernichtet und die heilsame Wirkung des Hollers kommt im Hollerröster umso mehr zum Tragen.


Zu allen Bräuchen im Jahreskreis

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