Georgi, Walpurgisnacht und Fronleichnam

Zur lustvollen Zeit im Wonnemonat und mehr

 

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Der Georgitag am 24. April ist ein traditionelles Fest, das heute kaum mehr beachtet wird. Nur der Georgiritt erinnert da und dort an die einstige Bedeutung dieses Tages. Mit ihm begann für die bäuerliche Bevölkerung seit jeher der Frühling. Jetzt hört man wieder den markanten Ruf vom Kuckuck. Wichtig am Land: Ab Georgi sollte nicht mehr über die Wiese gegangen werden. Das schadet nämlich dem Wachstum.

Mit der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai ist der Frühling so richtig da – und das wird gefeiert – mit einem Tanz ums Feuer. In dieser Nacht wird auch der Maibaum aufgestellt. Die Obrigkeit hatte mit der Ekstase der Menschen durch die Jahrhunderte meist wenig Freude. Deshalb wurde der Musikant bei den Maitänzen gerne als der Dudelsack pfeifende Teufel dargestellt.

 

Der Maibaum - als Gemeinschaftswerk

Gemeinschaftlich wird der Baum aus dem Wald geholt, entastet, entrindet und oft auch mit Girlanden umwunden. Drei reich mit Bändern geschmückte Kränze kommen hinauf. Die machen den Maibaum erst wirklich aus! Das Aufstellen erfordert viel Geschick und Kraft. Steht der Baum dann imposant am Dorfplatz, wird gerne zu mitreissender Musik um ihn herum getanzt.

 

Ein besonders stimmungsvolles Beispiel dafür ist das Maibaumaufstellen und der Maitanz in Viechtwang im Almtal. Wie lange der Baum steht, ist von Region zu Region unterschiedlich. Zum Abschluss aber klettern die Geschicktesten aus dem Ort hinauf. Aus den Kränzen holen sie »Beste«, also das, was dort oben als Geschenk für die kühnen Mädchen und Burschen wartet.
In manchen Gegenden wurden auch kleine Maibäume geschmückt und der Liebsten im Topf vor die Tür gestellt. Im oberen Innviertel wurden diese kleinen Maibäume einfach ins Feld gesteckt, um die Fruchtbarkeit anzuregen.

 

1. Mai - Tag der Arbeit

Auf die Walpurgisnacht folgt der 1. Mai, der Tag der Arbeit. Hier wird mit Umzügen die Schaffenskraft der Werktätigen gefeiert. Da verbinden sich die roten Tuchfetzen des neolithischen Opferfestes mit den roten Fahnen der Arbeiterbewegung.


Der Monatsname Mai stammt übrigens aus dem alten Rom. Er geht zurück auf die Erdgöttin Maia. Davor wurde die Zeit  »Wunnimanoth« oder  »Winnemond« genannt – übersetzt »Weidemond«. Draus wurde der »Wonnemonat«. Der Mai ist ja auch eine Wonne und wartet noch mit einigen Festen auf:

 

Vom Schutzpatron Heiliger Florian...

Am 4. Mai ist der Tag des Hl. Florian, dem Schutzpatron von Oberösterreich. Meist wird der Hl. Florian dargestellt, wie er Wasser auf ein brennendes Haus leert. Am Florianitag sollte es regnen, so heißt es, damit das ganze Jahr über wenig Feuersbrünste entstehen.

 

... zu den Eisheiligen

Diese folgen am 12., 13., 14. und 15. Mai. Die drei »Reifmauna« stehen für späte Fröste im Mai und sollten auch bei der Gartenarbeit und den Blumen am Balkon beachtet werden.

Es gilt die Bauernregel:


»Pankrazi, Servazi und Bonifazi
san die frostigen
drei Bazi,
und zum Schluss fehlt nie
die kalte Sophie.«

 

Christi Himmelfahrt ist der zweite “Gründonnerstag“

An diesem Tag wird eine Suppe aus neun frischen Frühlingskräutern als klassische Speise gegessen. Zu Pfingsten wird im Christentum das Herabkommen des Heiligen Geistes gefeiert. Die Bräuche, die da zelebriert wurden, haben damit allerdings recht wenig zu tun: Das Kind, das am Pfingstsonntag als erstes aufstand, erhielt den »Pfingstwecken«. Dieser Brotwecken stellte eine sitzende Taube dar. Wer als Letzter erwachte, war das »Pfingstkalbl« - und wurde entsprechend verspottet.

 

Fronleichnams-Prozessionen

Zu Fronleichnam sind die Prozessionen wohlbekannt. Ganz besonders die prächtigen Seeprozessionen in Hallstatt und in Traunkirchen am Traunsee. Weniger bekannt ist, dass zu Fronleichnam auch die besonderen Plätze im Haus mit Kräutern, Blumen, frischen Trieben und kleinen Kränzen geschmückt wurden. Fronleichnam wird auch der Prangertag und der Kranzltag genannt. Die prächtig verzierten Prangstangen sind heute kaum mehr zu sehen. Die handtellergroßen Kranzln sind aber immer noch eine beliebte Zierde.

Altüberliefert ist in dieser Zeit das »Taufischen«. Dazu legt man am Abend Leinentücher in die Wiese – und hat damit am nächsten Morgen reiche Ernte. Oder man geht mit einem Krug auf das Feld und streift den Tau hinein. So kann man dieses Lebenselixier für Salben und andere heilsame Anwendungen nutzen.


BRAUCH-BARE TIPPS:

Kuckuck, kuckuck, ruft‘s aus dem Wald!

Das ist nicht nur ein fröhliches Frühlingslied: Wenn man den Kuckuck hört, heißt es – nach altem Brauch – in die Tasche greifen und mit dem Geld zu scheppern! Tut man das, dann hat man das ganz Jahr reichlich Geld in der Tasche!

 

»Maitau i tritt di‘,
Maitau tu guad’s für mi‘!«


Wer mit diesem Spruch auf den Lippen bedächtig barfuß durch die taunasse Wiese geht, belebt die Lebensgeister. Und wer sich hinhockt und den Tau von den Blättern schlürft, regt die Vitalität auch von innen an.

 

Ein Fronleichnamskranzerl

Das handtellergroße Kranzerl wird aus Kudlkraut, das ist der wilde Thymian, zusammen mit roten Steinnelken, Scheibelkraut, Mondraute, Frauenmantel, Steinwurz, Johanniskraut, Sonnentau und Hornklee geflochten und im Haus aufgehängt oder als Armband verwendet. Die genaue Zusammensetzung eines Fronleichnamskranzerls ist von Gegend zu Gegend verschieden.


Zu allen Bräuchen im Jahreskreis

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