In den Herbst hinein
Von September-Knofl, dem Festtag der heiligen drei Madln und einem Lichtbratl

Die Nächte werden spürbar länger. Die Kraft der Sonne lässt nach. Die Tiere werden wieder von den Almen heruntergetrieben. Am 16. September endet mit dem Festtag der heiligen drei Madln, dem Bethentag, die große Zeit des Kräutersammelns. Nach manchen Quellen geht die Sammelzeit auch schon zum Fest Maria Namen am 12. September zu Ende.
Die heiligen drei Madln sind die drei Bethen - Ambeth, Wilbeth und Borbeth. In Mythen und Märchen ist von ihnen als „Weißen Frauen“ die Rede. Diese spinnen den Lebensfaden und verkünden das Schicksal. Kein Wunder, dass sie deshalb vor allem in schwierigen Lebenssituationen um Schutz, Heilung und Segen »angerufen« wurden. Diese Anrufung der Bethen wurde zum »Beten« als Zwiesprache mit dem Göttlichen. Durch die Zeiten war die Verbindung zu den drei Bethen so stark, dass sie auch im Christentum verehrt wurden. Die keltischen Göttinnen
wandelten sich zu den »heiligen drei Madln« - Katharina, Margarethe und Barbara. Leicht zu merken mit dem Spruch:
»Margaretha mit dem Wurm,
Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl,
das sind die heiligen drei Madl.«
Die drei heiligen Jungfrauen wurden zu Nothelferinnen. Margaretha für die Fruchtbarkeit, am Feld genauso wie bei den Frauen. Auch als Geburtshelferin wurde und wird sie um Beistand gebeten. Barbara gilt als Nothelferin »gegen den jähen Tod«, für ein entspanntes Ableben, gegen Feuersbrünste und Gewitter. Katharina wurde zur Schutzpatronin bei Erkrankungen im Mund sowie bei Schwierigkeiten mit der Sprache und dem Reden.
Ein ganz besonderes Wundermittel
Ein spezielles Wundermittel ist der »September-Knofel«. Der soll vor Ansteckungen schützen, bei Abszessen und Hexenschuss hilfreich sein. Mag sein, dass der Geruch dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielt.
Zum Almabtrieb gibt’s Almraunggerln!
Für den Almabtrieb wird das Vieh prächtig geschmückt. Die Freude ist groß, wenn die Tiere wieder gesund vom »Sommerurlaub« auf der Alm ins Tal kommen.
- 500 g Mehl
- 2 EL Staubzucker
- 1 TL Salz
- 150 g Butter
- ¼ l Rahm
- etwas Fett zum Backen
- etwas Staubzucker und Zimt zum Darüberstreuen
Das Mehl, den Zucker und das Salz vermischen, nach und nach möglichst kalte Butter dazuhobeln.
Das Ganze abbröseln, den Rahm dazugeben und den Teig kühl gestellt eine gute halbe Stunde rasten lassen. Danach wird dieser Mürbteig zu daumendicken Rollen geformt und zu Würfeln geschnitten. Die sollten 1 bis 2 cm dick sein.
In der heißen Pfanne werden diese »Raunggerl« schwimmend goldgelb gebacken.
Danach mit einem Küchenfreund, vulgo Pfannenwender, herausheben, auf einem Sieb oder einer Küchenrolle abtropfen lassen und in einem Gemisch aus Staubzucker und Zimt wälzen.
Fertig ist die deftige Nascherei!
Der Tau als Lebenselixier
Schon im Frühjahr gilt der Tau als Lebenselixier. Im Herbst ist es nicht anders. Dazu gibt’s den Spruch:
»Herbsttau tut dem Bauern not,
wie dem Bettler ein Stück Brot!«
Der Tau sorgt in Wiese und Feld für das Gedeihen, aber auch bei Menschen. Der 29. September ist gleich drei Erzengeln geweiht – nämlich Michael, als Kämpfer vor dem Herrn, Raphael, dem Heiler, und Gabriel, dem Verkünder und Mittler.
Liachtbratl
Aus den frisch gemahlenen Getreidekörnern wird in einigen Gegenden Sankt-Michaels-Brot oder Michaeli-Brot gebacken. Von diesem Tag an begann vor Zeiten in den Häusern der Handwerker wieder die Arbeit bei künstlichem Licht. Der Meister lud deshalb seine Leute zu Michaeli, in späterer Zeit am ersten Montag danach, zu einem Bratn, dem »Liachtbratl«. Ausgehend vom Salzkammergut erlebt der Brauch heute einen lebhaften Aufschwung. Die UNESCO nahm das »Liachtbradln« in Bad Ischl sogar in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf.
BRAUCH-BARE TIPPS:
Vom September-Knofel
Dazu wird Knoblauch gleich zu Beginn des Monats geerntet. Eine Zehe davon wird geschält, in ein Leinensäckchen eingenäht und möglichst unmittelbar auf der Haut getragen. Der Überlieferung nach hilft das gegen Ansteckungen. Sogar gegen den Hexenschuss ist der »September-Knofel « gut. Dazu wird er in feine Scheiben geschnitten, mit Lehm und Essig vermischt, ein wenig erhitzt und auf die schmerzende Stelle aufgetragen.
Vom Herbsttau und Jungbrunnen
Wer sich das Gesicht mit Herbsttau einreibt, verjüngt sich ohne viel Aufwand. Ist eine gute Quelle in Gehweite, dann empfiehlt es sich, diese genau zu Herbstbeginn in der Nacht aufzusuchen. Dort taucht man z. B. das Gesicht hinein und lässt sich überraschen, wie die Segnungen des Jungbrunnen wirken. Wenn man schon an einer guten Quelle ist, empfiehlt sich auch ein kräftiger Schluck vom frischen Wasser für die »innere Schönheit«.