Fasching
Das bunte Fest der maskierten Lebenslust

Zumindest einmal im Jahr sollte die Welt auf dem Kopf stehen, damit sie wieder ins Lot kommt. Das passiert im Fasching! »Faseln« ist ein neuhochdeutsches Wort. Es bedeutet »gedeihen« und »fruchtbar machen«. Davon kommt unser Wort »Fasching« wohl genauso wie das Wort »Fastnacht«. Nach dem Winter erwachen die Lebensgeister in der Natur. Wie beim Ebenseer Fetzenzug toben sie ausgelassen, vergnügt und munter durch das Leben, um den Winter zu verjagen. In einigen Orten Oberösterreichs wurde im Fasching sogar ein Streitgespräch zwischen Winter und Sommer aufgeführt. Teil des Ganzen ist ein handgreifliches Gerangel, bei dem natürlich der Sommer siegt. Hier ein Auszug davon:
Sommer:
»Oh, Winter, du darfst mir nimmer lång trutz‘n.
Ich tat dir den Bart vom Gesicht åbastutz’n.
Herrio mein, der Sommer is‘ fein!«
Winter:
»Stutzt du mir an Bart,
so stutz‘ ich dir d’Håar.
Geh‘ her, du mein Sommer, ich steck‘ dir a påar!«
Sommer:
»Schlag‘ nur her und triff mi‘ net.
I bin da Sommer und scheu di‘ net!
Herrio mein, da Sommer is‘ fein!«
Feste wie der Fasching wurden im Vorderen Orient, in Mesopotamien, schon vor rund 5000 Jahren gefeiert. Dazu heißt es in einer alten Inschrift: Die Arbeit ruht an diesen Tagen, und »Der Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.«
Das gilt auch heute noch:
Bei Faschingsumzügen und in Faschingskabaretts werden Begebenheiten aus dem Ort aufgegriffen und zum Gaudium – fast – aller dargestellt. Für Erwachsene wie für Kinder ist der Fasching die Gelegenheit, sich zu verkleiden. Es ist die Zeit, in die Rolle zu schlüpfen, die man immer schon einmal ausleben wollte.
Am Faschingdienstag wird beim Rudenkirtag in Sierning nicht nur der Traunviertler Landler getanzt. Die Festgäste lauschen auch gespannt auf die Gstanzln, in denen aktuelle Ereignisse mit viel Witz besungen und die Politik auf die Schaufel genommen wird. Rituell endet der Fasching mit dem Fasching-Eingraben. Dieser Brauch findet heute nur mehr in wenigen Orten statt. Zelebriert wird er noch in Bad Ischl. Am Aschermittwoch wird der Fasching als Strohpuppe in einer Prozession zur Steinfeldbrücke getragen und dort in die Traun geworfen – mit dem Nachruf.
Der Ischler Nachruf auf den Fasching:
»Auf des dass du jo
nimma z‘ruck kimst
heuer –
aber next‘s Jahr, då
wårt‘ ma wieder auf di‘!«
BRAUCH-BARE TIPPS:
Wer oder was wolltest du immer
schon einmal sein?
Im Fasching kannst du in diese Gestalt schlüpfen und
das ungewohnte Leben auskosten und feiern! Deine Fröhlichkeit
steckt auch andere an.
Ein Faschingsumzug ist eine Gaudi!
Die Gaudi gibt’s aber nur, wenn viele etwas dazu beitragen und
mitmachen. Ist in deinem Ort ein Faschingsumzug geplant? Oder
vielleicht im Nachbarort? Helfende Hände und Menschen, die sich
engagieren, sind immer willkommen.