Ostern
Das Fest der Auferstehung und der Fruchtbarkeit!
Im Wort »Ostern« lebt Eostra, die alte vorchristliche Göttin des Lichts, weiter. So schreibt es der Mönch Beda Venerabilis - »Beda, der Ehrwürdige«. Er lebte im 8. Jahrhundert nach Christi Geburt in England. Mag sein, dass »Ostern« aber noch viel weiter zurückgeht, auf das altgriechische »Eos«, die göttliche Morgenröte. Auch das Christentum knüpft hier an. Die Morgenröte wird zum Symbol der Auferstehung. Ostern ist übrigens immer am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Im Brauchtum beginnt der Zauber der Osterzeit schon eine Woche früher –
am Palmsonntag. Er erinnert an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem auf einem Esel. An diesem Tag werden die Palmbuschen geweiht.
Palmbuschen als Symbol für Fruchtbarkeit
Zuhause sorgt der Palmbuschen für Fruchtbarkeit und wehrt der Überlieferung nach Unwetter ab. Manche werfen auch drei geweihte Palmkätzchen in den Hausbrunnen oder einen nahen Fluss, damit das Jahr über niemand darin ertrinkt.
Wer ein Übriges tun will, isst nach der Palmweihe auf nüchternem Magen drei der pelzigen »Palmmudl« - so nennt man die Palmkätzchen in der Umgangssprache. Dann »zerschrickt« man nicht. Das heißt, man bekommt keinen körperlichen Schaden. Dafür sind auch die Gründonnerstag-Eier gut. Dieser Tag ist der Überlieferung nach so heilig, dass sogar die Eier, die an diesem Tag gelegt werden, heilig sind – als »Antlassoa«. Denn früher wurde der Gründonnerstag auch »Antlasstag« oder »Antlasspfingsta« genannt. Eier, die am Gründonnerstag gelegt, gefärbt und am Ostersonntag geweiht werden, helfen gegen viele Krankheiten bei Mensch und Vieh. Man mischt sie unters Essen, gibt sie ins Futter, hängt sie in den Stall. Ein ungefärbtes Antlassei gilt als Blitzabwehr. Vorausgesetzt, es wird in Papier gewickelt und – auf der Spitze stehend – auf den Dachfirst gelegt oder übers Haus geworfen.
Am Gründonnerstag fliegen die Kirchenglocken bekanntlich nach Rom. Ihr Geläute wäre am Karfreitag einfach zu fröhlich. Bis die Glocken am Karsamstag wieder zurück sind, wird »geratscht«. Das Ratschen ist auch ein alter Bann gegen missgünstige Hexen und Zauberer.
In der Nacht auf den Karfreitag kommen wir zur Wünschelrute. Dazu heißt es, in dieser Nacht von der Elexenstaude (Echte Traubenkirsche) oder der Hasel vorsichtig einen Zweig abzubrechen. Der wird in einem Brunnen, der gegen Sonnenaufgang liegt, »getauft«. Fertig ist die Wünschelrute!
Am Karsamstag – mitunter auch am Ostersonntag - ist dann die Speisenweihe. Vom geweihten Fleisch wird das erste Stück nüchtern eingenommen, aber nur gekaut und ins Osterfeuer gespuckt.
Das Osterfeuer in der Osternacht
Das Osterfeuer wird in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag nach Mitternacht angezündet. Früher wurden gerne bereits angebrannte Scheiterbündel und glühende Baumschwämme schwingend nach Hause mitgenommen, um das Herdfeuer bei der sogenannten »Scheitelweih‘« neu zu entfachen.
Am Ostersonntag werden am Esstisch frisch gepflückte Kräuter, Blumen, Gräser und die erste Saat im Kreis ausgelegt. In die Mitte kommt das geweihte Essen. Auf keinen Fall dürfen dabei der Osterflecken, als Ostergebäck, rot gefärbte Eier, das Fleisch und der Kren fehlen. Natürlich ist es eine Freude, wenn am Ostersonntag die Sonne frühlingswarm vom Himmel lacht. Regnet es, dann tröstet ein alter Spruch:
»Viel Tröpfel, viel Äpfel!«
Am Ostermontag werden die alten Palmbuschen verbrannt und die neuen in den Garten, die Wiese, den Acker, den Herrgottswinkel oder einfach nur in die Vase gesteckt. Am Nachmittag ist am Ostermontag das »Emmausgehen« überliefert. Da werden die Goden, also Paten, besucht. Bei ihnen gibt es die »Leibspeis« des Patenkindes und natürlich rote Eier.
Eier stehen für das neue Leben
Eier ziehen sich als uraltes Symbol des keimenden Lebens und der Fruchtbarkeit durch das ganze Osterbrauchtum. Alle, die am Karfreitag gelegt werden, werden rot gefärbt. Eier vom Karsamstag soll man roh trinken, so heißt es. Das gibt besondere Kraft.
Rund wie die Sonne – der Osterfleck!
Die Zutaten:
- 500 g Dinkelmehl
- 10 g Salz
- 20 g Zucker
- 10 g frische Germ
- (oder 3,5 g Trockenhefe)
- 140 g Wasser
- 140 g Milch
- 50 g Butter
- etwas Anis
- eventuell auch Rosinen
- Aus den Zutaten einen Germteig zubereiten und diesen rund eine halbe Stunde zugedeckt gehen lassen.
- Den Teig zu einer runden Kugel schleifen, eine Viertelstunde rasten lassen und dann vorsichtig von der Mitte weg ausziehen. Das Brot soll mittig nur rund zwei Zentimeter dünn sein. Der Rand außen bleibt dick.
- Das Brot auf ein Backblech legen, mit Milch bestreichen und mit einer Gabel in der Mitte kreisförmig einstechen.
- Bei 190 Grad im vorgeheizten Backofen etwas mehr als eine halbe Stunde backen.
- Mit einem roten Ei in der Mitte kommt der Osterfleck dann auf den Tisch.
BRAUCH-BARE TIPPS:
Einen Palmbuschen binden!
Dazu werden neun – in manchen Gegenden auch nur sieben - verschiedene Arten von Zweigen, Blättern und Kräutern zu einem Strauß gepackt. Meist nimmt man dazu Sadebaum, auch Sebenstrauch genannt, den Schradl (Stechpalme), Örtbaum, Haselzweige, Palmkätzchen (Sal-Weide), Wintergrün und Kranawittn (Wacholder). Die »Zutaten« variieren je nach Region. Mitunter wird z. B. auch Eichenlaub, Lärche, Buche, Birke, Linde, Efeu und Thymian dazugegeben, statt dem geschützten Seidelbast auch Heidekraut (Erika). Hilfreich ist, das alles beizeiten zu sammeln!
Aus den Pflanzen wird ein schönes Büschl geformt. Der Palm und die Hasel sowie die stacheligen Teile kommen dabei in die Mitte. Mit dünnen Weidentrieben wird der Strauß fest zusammengebunden. Am unteren Ende vom Strauß kommt noch ein zugespitzter Haselstock mit drehenden Bewegungen fest hinein, bis er gut sitzt. Fertig!
Da freut sich nicht nur der Osterhase!
Schon das Färben der Eier ist ein Erlebnis. Mit ihnen werden bunte Osternester gestaltet oder die Eier direkt rund ums Haus in der Wiese und in Büschen versteckt – als kleine Hilfe für den Osterhasen.
Am Ostersonntag gilt es die Eier dann zu finden. Spielerisch wird so das frische Grün in der Natur erkundet. Wer keine Möglichkeit hat, die Ostereier im Garten oder im Wald zu verstecken, kann das in der Wohnung tun – oder einfach mit Palmkätzchen, Haselzweigen oder blühenden Forsythien und ausgeblasenen verzierten Ostereiern einen Osterstrauch gestalten. So kommt das blühende Leben in die eigenen vier Wände!
Eierpecken und Eierscheiben
Beim Eierpecken werden die Eier zuerst »Kopf auf Kopf« danach »Oarsch auf Oarsch« gegeneinander geschlagen. Wer verliert, muss das Ei hergeben.
Beim Eierscheiben lassen alle ihr Ei in der Wiese oder im Garten auf einem schiefen Brett oder zwischen zwei Besenstielen hinunterrollen. Gewinnerin oder Gewinner ist, wessen Ei ein anderes »peckt«, also anschlägt – oder aber das Ei, das am weitesten rollt.
