Wintersonnwende und Thomasnacht

Der Auftakt der Raunächte

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Es ist eine ganz besondere Zeit – zwischen der Thomasnacht auf den 21. Dezember und der Perchtnacht auf den 6. Jänner. In der Überlieferung ist von den Raunächten die Rede. Um sie rankt sich eine Fülle von Deutungen und Geschichten. Das beginnt schon beim Namen: Die einen beziehen ihn auf »raue« Nächte. Denn der Erzählung nach spielen sich in diesen Nächten zwischen der Wintersonnenwende und dem Dreikönigsfest wilde Dinge ab. Frau Percht und die Wilde Jagd ziehen durch die Welt. Andere meinen, die Raunächte beziehen sich auf den Brauch des Räucherns, der in dieser Zeit praktiziert wird. Wieder andere sagen, dass in diesen ganz besonderen Nächten jedes Wort zählt – erst recht, wenn es nach alter magischer Tradition nicht gesprochen und gerufen, sondern geraunt wird. So flutscht es umso wirksamer ins (Unter-) Bewusstsein – in diesen »Raun«-Nächten.

Zur Anzahl der Raunächte gibt es den Spruch:

 

»De Raunächt san vier,
zwoa foast und zwoa dürr!«

 

Wobei mit den »foasten«, also fetten, die erste und die letzte Raunacht gemeint sind – also die Thomasnacht, auf den 21. Dezember, und die Perchtnacht, vom 5. auf den 6. Jänner. Die »dürren« sind die Mettennacht, am 24. Dezember und die Neujahrsnacht zu Silvester.

 

Die zwei »fetten« Raunächte haben von der inhaltlichen Bedeutung her wesentlich mehr Gewicht als die »dürren«. »Fett« heißen sie aber auch, weil es an diesen Abenden immer schwere Kost zu essen gab – nämlich Krapfen und anderes Schmalzgebackenes. In vielen Überlieferungen ist allerdings nicht von vier sondern von zwölf Raunächten die Rede.

Gleich wie sie gezählt werden: Die Raunächte beginnen mit der Thomasnacht. Ein alter Spruch sagt:


»Der Thomerl treibt mit
seinem Hammer den Tag
auseinander«.


So teilt sich zur Wintersonnwende das Jahr. Bezeichnend ist, dass die Thomasnacht dem »ungläubigen« Apostel gewidmet ist. Thomas wollte eben nicht glauben, sondern wissen. Wer möchte nicht wissen, was im eigenen Leben gerade in der Luft liegt? Deshalb beginnt mit der Thomasnacht auch die Zeit der Orakel.


Die ersten vier Nächte beziehen sich dabei auf die vier Jahreszeiten des vergangenen Jahres. In ihnen gilt es zu betrachten, was im Rückblick gut passt und was nicht. Am 24. ist die Heilige Nacht, auch Mettennacht genannt. Der Überlieferung nach steht in ihr die Zeit still, bevor der Pendelschlag in die andere Richtung geht.

 

Die Tiere als Verkünder von Christi Geburt

Eine Legende erzählt, dass es vor allem Tiere waren, die die Geburt Jesu Christi verkündeten. Deshalb wurde ihnen die Gabe verliehen, in der Heiligen Nacht mit menschlichen Stimmen zu reden und für das kommende Jahr wahrzusagen. In dieser Mettennacht gilt obendrein heiliger Friede.

 

Aktion Friedenslicht

1986 wurde auf Initiative des ORF Landesstudios Oberösterreich im Rahmen von »Licht ins Dunkel« zum ersten Mal das »Friedenslicht« aus Palästina geholt und verteilt. Seither entzündet jedes Jahr ein Kind aus Oberösterreich in der Geburtsgrotte in Bethlehem das Friedenslicht. In einer Speziallampe wird es nach Oberösterreich geflogen, von Mensch zu Mensch weitergeben und in alle Welt gebracht – als leuchtendes Symbol für den Weihnachtsfrieden.


BRAUCH-BARE TIPPS:

Sehr menschlich: Das Apfel-Orakel

Neugierig, welcher Mensch in kommenden Jahr für das eigene Leben von großer Wichtigkeit sein wird? Dann hilft dieser kuriose Brauch weiter:


Dazu schiebt man sich am Thomastag einen Apfel in die Achselhöhle und behält ihn dort bis zum Heiligen Abend. Wenn dann von der Kirche das Ave-Läuten zu hören ist, geht man vor das Haus und isst den Apfel. Der ersten Person, die dabei vorbeigeht, gibt man eine Spalte vom Apfel ab. Sie wird im kommenden Jahr im eigenen Leben eine wesentliche Rolle spielen. Hat man mit dem Menschen allerdings keine Freude, und gibt nichts ab, dann droht Unglück.
Was passiert, wenn die Person das Apfelstück dankend ablehnt, ist allerdings nicht überliefert.


Zu allen Bräuchen im Jahreskreis

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