Zur Sommersonnwend‘
Von großen Feuern und hohen Sprüngen

Zur Sommersonnenwende wird die Kraft der Sonne in den Bräuchen durch irdische Feuer rituell unterstützt. Dementsprechend wird das Feuer gewürdigt und geehrt – mit Essen, Trinken, Liedern und Tänzen. Die Zeit der Sommersonnwende beginnt mit dem Veitstag am 15. Juni. Der war bis ins Jahr 1582 der längste Tag des Jahres. Durch die Kalenderreform verschob sich das Ganze auf den 21. Juni. So genau wurde der Termin für das Sonnwendfeuer allerdings nie genommen.
Besonders sagenumwoben ist die Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni. Da blüht der Sage nach der Farnsame, die sogenannte Teufelsfeder. Sie soll unsichtbar machen. Wer sie zum eigenen Geld steckt, hat immer eine volle Geldtasche. Kein Wunder, dass viele versuchten, eine Teufelsfeder zu ergattern.
Das Holz für das Sonnwendfeuer wurde in vielen Gegenden Oberösterreichs im ganzen Dorf zusammengesammelt. In Wolfsegg hatte z. B. ein zwölfjähriger Bub die Ehre, durch den Ort zu gehen. Er war ganz in »Tannengrassat«, also Tannenreisig, gekleidet. Begleitet wurde er von einer lärmenden Schar Gleichaltriger.
Voller Geschmack: Hollerstrauben!
Zur Zeit der Sommersonnwende blüht der Holunder. Vor dieser Staude sollte man den Hut ziehen, weil sie so viele segensreiche Wirkungen hat. Mit den weißen Hollerblüten lässt sich nicht nur ein Saft ansetzen. Auch gebacken schmecken sie gut.
- 20 Dolden der Holunderblüten
- ¼ l Milch
- ¼ kg Mehl
- 2 Eier
- 1 Prise Salz
- Öl oder Butterschmalz zum Ausbacken
- Staubzucker und Zimt
- Die Dolden und die frischen Holunderblüten zuerst ausschütteln, um sie von kleinen Bewohnern zu befreien.
- In einer Rührschüssel Milch, Eier und Salz gut versprudeln, das Mehl kurz einrühren und das Ganze 15 Minuten ziehen lassen.
- In einer Pfanne etwas Öl oder Butterschmalz erhitzen.
- Den Teig durchrühren, die Holunderdolden eintauchen, etwas abtropfen lassen, in der Pfanne beidseitig goldbraun backen, herausnehmen und bei niedriger Temperatur im Backrohr auf einem Teller warmhalten, bis der Teig und die Holunderblüten aufgebraucht sind.
- Die fertigen Hollerstrauben mit Staubzucker und Zimt bestreuen.
- Mit frisch püriertem Erdbeer- oder Marillenmus schmecken sie besonders gut.
Aus dem Buch »Das Geschenk der zwölf Monate - Märchen, Bräuche und Rezepte im Jahreskreis«
Bei jedem Haus sagte der Bub einen Heischespruch auf. Beliebt waren dabei Sprüche wie:
»Da heilige Sankt Veit,
tat bitten um a Scheit,
a kurz‘s und a lang’s,
zum Sunnawendtanz!«.
Als Danke für das Scheit folgte schließlich:
»Nimm an Schimmel, reit zum Himmel!«
Oder, wenn es nichts gab:
»Nimm‘ an Rapp’n und fahr in d’Höll‘!«
Steckerlbrot!
Auf frisch geschälten Haselnuss-Stecken spießt man Brot und hält es über die Glut. So wird es gedörrt und geröstet. Wer davon isst, so heißt es, tut etwas gegen die »einwendigen Wechta«, also gegen innere Leiden.
Selbst gemachter Brotteig schmeckt natürlich am besten:
½ Würfel Germ mit 230 ml lauwarmen Wasser verrühren, etwas Zucker dazu geben. Gut verrühren und rund zwei Minuten stehen lassen.
400 g Mehl und 2 TL Salz in eine Schüssel sieben, mit der Germ-Wasser-Mischung und 3 EL Öl vermengen. Kräftig durchkneten bis ein geschmeidiger, nicht klebriger Teig entsteht. An einem warmen Ort bis zum doppelten Volumen gehen lassen.
Ausrollen und in lange, schmale Streifen schneiden. Die werden dann um die geschälten Äste gewickelt.
Wichtig: Nicht zu viele Schichten übereinander wickeln, damit das Backen nicht zu lange dauert.
Ein heiliges Feuer
Neben großen Holzscheitern landen auch die verdorrten Fronleichnamskranzerl im Feuerhaufen. Entzündet wird das Sonnwendfeuer nicht einfach irgendwie. Es gilt als heiliges Feuer, als »Notfeuer«, um Krankheit und Not abzuwehren und dem Leben Kraft zu geben. Drum sollte es durch das Reiben von Holz oder das Schlagen von Feuersteinen entfacht werden. Bei Tageslicht bietet sich eine Lupe an, die den Zunder mit der gebündelten Kraft der Sonnenstrahlen zum Brennen bringt.
Rund ums Feuer wird vergnügt gefeiert und getanzt. Manche überlegen, was sie dem Feuer mitgeben können, damit es verbrennt, weil sie es nicht mehr brauchen.
Wenn das Sonnwendfeuer niedergebrannt ist, wird drüber gesprungen. Um von »Fuß- und Kreuzweh«, aber auch vielen anderen Krankheiten verschont zu bleiben, gilt es, satte neunmal über die Flammen zu springen. Verliebte Paare springen gern miteinander – um sich zusammenzuschweißen. Es heißt, je höher die Sprünge, desto größer die Fruchtbarkeit und die Gesundheit in der kommenden Zeit.
Früher wurden auch alte Besen ins Sonnwendfeuer gesteckt. Brannten sie, dann wurden sie am Stiel durch die Luft gewirbelt und in Wiesen und Felder gesteckt. Mit der Kraft des Feuers galt es, die Fruchtbarkeit im Boden zu stimulieren. Freilich waren die Besen damals aus Reisig - und nicht aus Plastik.
Besonders in dieser Nacht – Augen auf!
Wer in dieser Nacht neun Feuer sieht, bleibt der Überlieferung nach im kommenden Jahr vor dem »jähen Tod« bewahrt. Während sich der Acker, auf dem das Sonnwendfeuer abgebrannt wird, ganze neun Jahre darüber freut und entsprechend fruchtbar ist.
BRAUCH-BARE TIPPS:
Schön und gut: Das Johanniskraut-Kränzchen
In der Volksmedizin ist das Johanniskraut eine hilfreiche Pflanze, die trübe Gedanken vertreibt und Licht ins Leben bringt. Deshalb wird es einfach an einem sonnigen Tag – idealerweise um Vollmond – gepflückt und zu einem Kranz geflochten. Dieser wird über der Haus- oder Wohnungstür aufgehängt.
Wer die stimmungsaufhellende Wirkung vom Johanniskraut an den kurzen Herbst- und Wintertagen nutzen will, kann es getrocknet als Tee trinken.